1. „Der Mensch kann nur Mensch werden durch Erziehung“
- Kant setzt voraus, was der Mensch ist –> muss also schon vor der Erziehung „Mensch“ sein –> Widerspruch im eigentlichen Satz
- „Obwohl der Mensch Mensch ist, ist er noch nicht Mensch“
- Anlage des „Menschseins“ ist schon vorhanden, muss aber noch entfaltet werden –> durch Erziehung
- Lösung: man muss sich einen erwachsenen, bereits erzogenen Menschen als Vorbild für Kinder heranziehen
- Die Veranlagungen des „Menschseins“ sind immer unterschiedlich –> Ziel ist also unbestimmt –> Vervollkommnung der Menschheit (Menschheit früher: das, was den Menschen als Mensch ausmacht; das menschliche Wesen / heute: Gesamtheit aller Menschen)
2. „Die Notwendigkeit einer „judiziösen“ Pädagogik
- Erziehung ist herstellendes Machen
- Beschützendes Wachsenlassens
- Erziehung geschieht nicht von alleine, weil „die Natur dazu keinen Instinkt in den Menschen gelegt“ hat
- Erziehung = Kunst –> soll nicht mechanisch/planlos, sondern judiziös/planvoll (begründete Urteile) geschehen –> Pädagogik wird zur Wissenschaft
- „Kinder sollen nicht dem gegenwärtigen, sondern dem zukünftig möglichen bessern Zustande des menschlichen Geschlechts, das ist: der Idee der Menschheit und deren ganzer Bestimmung angemessen, erzogen werden. […]“
3. „Die Aufgaben von Erziehung
- Disziplinierung: Tierheit soll der Entfaltung der Menschheit nicht im Wege stehen; Hinderung der tierischen Anlagen zu entfalten; Zügelung der eignen Triebe und Wünsche (Bueb)
- Kultivierung: die Verschaffung der Geschicklichkeit für die jeweiligen Zwecke in der Gesellschaft; Beispiel Lesen und Scheiben
- Zivilisierung: der Mensch soll klug werden, in die menschliche Gesellschaft passen, beliebt werden; Manieren und Artigkeit als soziale Wege zur Erziehung
- Moralisierung: Disziplinierung., Kultivierung., und Zivilisierung. waren bereits um das 18.Jahrhudert vertreten, nicht aber die Moralisierung; Verabscheuungswürdige Laster sollen abgeworfen werden; „gut“ ist das, bei dem jeder zustimmen würde; Praktische oder Moralische Erziehung soll den Menschen zur Persönlichkeit machen.
„Der Mensch soll nicht bloß zu allerlei Zwecken geschickt sein, sondern auch die Gesinnung bekommen, dass er nur lauter gute Zwecke erwähle. Gute Zwecke sind diejenigen, die notwendigerweise von jedermann gebilligt werden; und die auch zu gleicher Zeit jedermanns Zwecke sein können.“ (Kant 1803/2001, S.44); goldene Regel
4. „Wie kultiviere ich die Freiheit bei dem Zwange?“ (Kollers sieht dies als wichtigste These)
- Freiheit mit Zwang kultiviert verbinden
- Freiheit als Erziehungsmittel –> als Erziehung zur Mündigkeit
- 1. Begründung: Zwang ist immer dann nötig, wenn das Kind noch nicht selbst urteilen kann und die bloße Fähigkeit der Nachahmung in ihm selbst fortdauert; zum Beispiel bei Selbstschadung Kind kann noch nicht abschätzen, was für Folgen es geben könnte
- 2. Begründung: gerechtfertigt, wenn Kinder tun, was andere wollen, wenn es will
- Freiheit findet ihre Grenze an den Freiheiten anderer
- Zwang ist notwendig, um die Schwierigkeit, sich selbst tu erhalten, zu entbehren, und zu erwerben, um unabhängig zu sein, kennen zu lernen
- Man darf Kinder zu etwas zwingen, wenn etwas unentbehrlich für sie wäre