
1.) Wie werden Dokumentationen/Sammlungen in ihrer Klasse (2b) präsentiert oder genutzt?
Eine Präsentation der Sammelmappe erfolgt nicht. Sie dient auch als Information für die Eltern über den Leistungsstand ihres Kindes. Ansonsten fließt der Inhalt mit in die Bewertung ein.
2.) Wer darf die Dokumentationen/Sammlungen einsehen?
Jeden Freitag können die Eltern in die Klasse kommen und sich vor oder nach dem Unterricht über den Leistungsstand ihres Kindes informieren.
3.) Welche Rolle spielen die Dokumentationen/Sammlungen aus vorangegangenen Schuljahren?
Die Sammelmappen werden alljährlich geleert, ihr Inhalt wird mit nach Hause gegeben, landet also nicht in der Akte des Schülers.
4.) Ist es Ihnen wichtig, folgende Dinge zu vermitteln?
a) Kompetenzdarstellung: „Ja.“
b) (Selbst-)Reflexion: „Ja, das ist mir sehr wichtig. Zur Selbstreflexion dient auch der „Daumenkreis“ am Ende des Schultages, in dem die Kinder sagen, wie ihr Tag war. Zur Unterstreichung ihres Grundgefühls an diesem Tag können sie den Daumen ihrer rechten Hand nach oben oder unten zeigen lassen. (Oder neutral in Mittelposition).“
„Ansonsten geben die Schüler sich auch untereinander Rückmeldungen“.
c) Selbstständiges Lernen
“Selbständiges Lernen ist ein wichtiges Unterrichtsziel für mich. Meine 2. Klasse lässt sich in dieser Hinsicht folgendermaßen unterteilen in folgende Gruppen:
1)10-12 sehr selbständige und selbstbestimmte Schüler, die sich aus den vorhandenen Lernmaterialien einen Teil selbst aussuchen, während ein weiterer Teil vorgegeben ist.
2) 2-3 Schüler können noch nicht sehr selbständig arbeiten, sie brauchen enge Vorgaben.
3) Und dann gibt es noch die Schüler, die zwischen diesen beiden Extremen liegen. Auch sie dürfen so weit selbstbestimmt arbeiten, wie es ihrer derzeitigen Fähigkeit hierzu entspricht.“
d) Das Lernen-Lernen
“ist ein wichtiges Ziel, für das es gilt, Strategien zu entwickeln.“
e) Selbstbestimmung als eigenständiges Setzen von Zielen, was ein gewisses Maß an
Selbststeuerungskompetenzen voraussetzt:
“Die Lernmaterialien, aus denen sich die stärkeren Schüler selbständig bestimmte Materialien aussuchen können, ist sind von mir vorausgewählt. Insofern liegt eine indirekte Fremdbestimmung vor. Allerdings haben insbesondere die stärkeren Schüler auch die Möglichkeit, eigene Inhalte einfließen zu lassen.“
„Diejenigen Schüler, die noch nicht eigenständig arbeiten können und daher enge Vorgaben benötigen, sind völlig fremdbestimmt und –gesteuert in Ihrem Arbeiten.“
„Selbstständiges, individualisiertes Lernen nimmt zwar großen Raum in unserer Schule und meiner Unterrichtspraxis ein. Wir haben aber dennoch auch zwei Frontalstunden pro Woche – eine für Deutsch und eine für Mathe. In dieser Zeit werden andere Kompetenzen geübt, z.B. das Zuhören.“
„Selbstbestimmung ist für mich gleichzeitig Voraussetzung und Ziel: Voraussetzung in dem Sinne, dass ein bestimmtes Maß an Selbstbestimmungskompetenz vorhanden sein muss, um selbstbestimmt arbeiten zu können. Außerdem meine ich mit Voraussetzung auch, dass das Ziel der Selbstbestimmung nur durch ein schrittweises Einüben von Selbstbestimmung erreicht werden kann.
Wir setzen dabei ganz individuell an den jeweiligen Fähigkeiten und dem Lernstand des einzelnen Kindes an, das individualisierte Lernen wird bei uns großgeschrieben.“
f.) Selbststeuerung i.S. eines eigenständigen Umsetzens fremdbestimmter Ziele:
“Selbstgesteuert ist die Gruppe, die zwischen den schon relativ selbstbestimmt arbeitenden und den noch völlig fremdbestimmt arbeitenden Schülern liegt.“
5.) Welche sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Werkzeuge/Methoden/Techniken zum Vermitteln dieser Dinge?
Am wichtigsten ist es dabei, Selbstbestimmung und zum Teil auch Selbststeuerung zuzulassen. Und es braucht hierzu auch eine starke Struktur, in die solches Lernen eingebettet ist, ein verlässliches Gerüst:
a) In zeitlicher Hinsicht ist ein fester Rhythmus, wie Sie ihn auch auf dem Stundenplan feststellen können, wichtig. Was die Pausen betrifft, so bestimmen wir sie nicht selbst, da wir ja auch die Pausenaufsicht planen müssen. Aber es besteht die Möglichkeit einer ‚offenen Pause’, d.h. die Kinder können die Pause auch im Klassenraum verbringen, solange sie dort nicht toben.
b) In räumlicher Hinsicht braucht es auch einen Organisationsrahmen: den Kindern muss klar sein, wo sie etwas finden können und wohin sie es nach Gebrauch zurückbringen. Darüber hinaus ermöglichen unser Gruppenraum und die Tischaufteilung im Klassenraum unterschiedliche Sozialformen des Lernens – in der Gruppe, individualisiert und im Klassenverband.
c) Schließlich ist es wichtig, eine „innere Struktur“ mit den Kindern gemeinsam zu erarbeiten. Damit meine ich bestimmte Rituale, die den Kindern zeigen, wie sie sich bei bestimmten Problemen verhalten müssen. Wenn es einem Kind beispielsweise zu laut im Klassenraum ist, kann es einen Kopfhörer aufsetzen oder eine Klingel betätigen. Wenn ein Schüler oder ein Schülerin eine Frage hat, kann er oder sie sich auf die Bank neben den Lehrertisch setzen und warten, bis es an der Reihe ist.
6.) Sehen Sie auch Anwendungsmöglichkeiten solcher Methoden in anderen Bereichen wie Ausbildung, Studium, Erwachsenenbildung, Arbeit im Allgemeinen?
Das e-Portfolio erscheint mir eher für die Erwachsenenbildung geeignet zu sein.
7.) Was würden Sie als Portfolio bezeichnen?
Bei uns: eine Sammelmappe im Sinne eines Künstlerportfolios. Diese Mappe ist an unserer Schule, wie bereits in meiner Präsentation erwähnt, nur ein Teil dessen, was in die Leistungsbewertung mit einfließt.
In die Sammelmappe können z. B. Geschichten, Bilder und fertige Planungsseiten aus dem Planungsheft gelegt werden. Die Schüler können zum Teil selbst bestimmen, was sie in die Mappe legen.
Neben dieser Mappe gibt es pro Schüler/in noch einen Ordner mit allen anderen Arbeiten des Schülers/ der Schülerin. Außerdem führe ich pro Schüler/in noch eine Akte in meiner Hängeregistratur, in der Tests und Selbsteinschätzungen gesammelt werden. Auf die Auswahl des Inhalts von Ordner und die Akte haben die Schüler keine Einwirkungsmöglichkeit.
Sammelmappe und Ordner werden am Ende des Schuljahres geleert, ihr Inhalt wird dem Kind mit nachhause gegeben. Die Hängemappe gebe ich, wenn ich eine Klasse oder einen Schüler abgebe, an den nächsten Lehrer weiter.
8.) Was halten sie von der Idee, eine solche Leistungsdokumentation als ePortfolio durchgängig während der gesamten Schulzeit und eventuell darüber hinaus (Bewerbung, Job) zu verwenden?
Ich müsste darüber nachdenken. Jedenfalls bin ich misstrauisch, ob ein solches e-Portfolio dem Datenschutz genügend Rechnung tragen würde. Ich sehe da auch Gefahren.
Ein anderer Aspekt ist, dass man für ein e-Portfolio sehr viele Arbeiten digitalisieren müsse, was auch viel Arbeit macht. Und dabei ginge auch der haptische Eindruck von einer Arbeit verloren.
Zudem haben die Schüler bei unserer Methode, bei der nur die Hängemappe an den nächsten Lehrer weiter gereicht wird, auch die Möglichkeit, ein Stück weit wieder ‚neu anzufangen’: neuer Lehrer, neue Chance.
Das unkomplizierte Versenden und Ablegen von Dateien hätte aber natürlich auch Vorteile, es würde die Abgabe und Weitergabe mancher Arbeiten erleichtern.
Insgesamt halte ich ein e-Portfolio aber eher für die Erwachsenenbildung geeignet.
9.) Was ist die wichtigste Erkenntnis, die Sie bei der Arbeit mit selbständigem Lernen gewonnen haben?
Soziales Lernen geht, jedenfalls in der Grundschule, vor kognitives Lernen. Ein Kind muss sich wohlfühlen, um Leistung zu bringen.